Mittwoch 18 September 2019
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Geschichte-Kasinoverein

Die grüne Oase im Wanner Norden

Schon 2009 würdigte die WAZ in einem großen Artikel den Kasinoverein „Harmonie Unser Fritz“. Anlass damals: das 50-jährige Jubiläum des „Vereins zur Pflege des bergmännischen Brauchtums“. Und auch heute – vier Jahre später – bieten sich auf dem großzügigen Vereinsgelände an der Unser-Fritz-Straße für die Mitglieder zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Entspannung und Geselligkeit. Doch wie entstand die grüne Oase mitten im Wanner Norden?

Am 16. Mai 1959 lud der damalige Betriebsführer der Zeche Unser-Fritz, Herbert Höing, die Angestellten zu einer Zusammenkunft ein: zur Gründungsversammlung des Kasinovereins. Höing verfolgte dabei drei Ziele:

-          Angestellte sollten sich in Freistunden treffen und diese gemeinsam verbringen können,

-          Für die Angestellten sollte ein bisher fehlender Konferenzraum entstehen,

-          die untere Etage der ehemaligen Direktorenvilla gegenüber der Ze­che sollte wieder genutzt werden.

Um das im Bergbau übliche hierarchische System aufzulockern, wurden Zusammenkünfte der Angestellten außerhalb des Zechengeländes gerne gesehen –deshalb wurden die Vereinsziele durch die Zechengruppe Consolidation, wozu auch die Zeche Unser-Fritz gehörte, von Anfang an unterstützt.

Für die Räumlichkeiten wurde vom damaligen Bergwerksdirektor der Begriff „Kasino“ geprägt – so war es nicht verwunderlich, dass bei Freizeit und Konferenzen sowohl Kaf­fee als auch alkoholische Getränke angeboten wurden. Für Gastlichkeit und Vorbereitung von Konferenzen wurde ein Mitarbeiter hauptamt­lich abgestellt.

Vielfältige Freizeitangebote entstehen

Die ehemalige Direktorenvilla liegt zwar direkt an der Unser-Fritz-Straße, hat aber ein umfangreiches Grüngelände hinter sich, sodass recht schnell der Wunsch entstand, auch dieses Gelände nutzen zu können. Als erste größere Nutzung des Außengeländes nahm der Verein bereits nach zwei Jahren eine Kegelbahn in Betrieb. Möglich wurde dies durch Nutzung be­reits vorhandener Gebäude und relativ einfacher Umbaumaßnahmen. Und auch die untere Etage des Hauptgebäudes wurde den neuen Erfordernissen angepasst: Es entstand die vereinseigene Gastronomie, die bis heute das Zentrum des geselligen Vereinslebens bildet.

Geführt wurde der Verein durch den jeweiligen Betriebsführer der Zeche, sodass die Bereitstellung von Mitarbeitern (sowohl für die Außenanlagen als auch im Gebäude für den Service) kein Problem darstellte. Die Geschäftsführung wurde der Einfachheit halber dem Sekretariat des Betriebsführers übertragen.

Zu den größten Wünschen der damaligen Mitglieder zählte es, mehr Möglichkeiten für körperliche Betätigung bzw. Sport in der Freizeit zu haben. So entstand auf dem großen Freigelände als nächstes der Tennisplatz. Der Bau des Schwimmbeckens folgte kurz darauf – dieses hatte sogar eine doppelte Funktion, weil so in kritischen Situationen in der Zeche ausrei­chend Löschwasser zur Verfügung stand.

In den nächsten Jahren wurde das Außengelände Schritt für Schritt erweitert: Es entstanden Tischtennisanlagen, ein überdachter Grillplatz und eine bestens gepflegte Gartenanlage, in der die Vereinsmitglieder schon seit 1974 jährlich Ihr großes Sommerfest feiern.

Mit dem Zechensterben entstehen neue Herausforderungen

Die Entwicklung sowohl der Gastronomie als auch der Außenanlagen wurde durch Nicht-Bergbauangehörige dabei ständig beobachtet – man wünschte sich eine Öffnung des Vereins, um ebenfalls von den Vorzügen des Vereinslebens profitieren zu können. Als erster Schritt in diese Richtung wurde 1977 den Knappschaftsärzten der Eintritt in den Verein gestattet. Die Knappschaftsärzte haben dann auch ihr erstes Fest im Vereinsge­bäude gefeiert. Und schon bald machte es die allgemeine Entwicklung im Bergbau zur schlichten Notwendigkeit, den Verein auch anderen Mitbürgern zugänglich zu machen.

Hinzu kam das Ansinnen des Betriebsrates der Zeche Unser-Fritz, den Verein für alle Belegschaftsmitglieder zu öffnen. Nach Beschlussfassung des Vorstandes wurde ab 1978 folgende Regelung festgelegt:

-          Begrenzung auf 30% Nicht-Bergbauangehörige

-          Aufnahmeantrag mit Nennung eines Bürgen

-          Abstimmung des Vorstandes über Aufnahme

Als mehr und mehr Zechen stillgelegt wurde, überholte sich Schritt für Schritt auch die 30-Prozent-Quotierung: Der Verein war nach der Zechenschließung auf sich gestellt und musste mit den Mitgliedsbeiträgen und Gastronomieeinnahmen eigenverantwortlich wirtschaften.

Die Mitglieder halten zusammen und sichern die Zukunft des Vereins

Der bisher wichtigste Entscheidung für den Verein ergab sich durch die Schließung des Bergwerks Hugo/Ewald. Durch die Stilllegung wurde die Immobiliengesellschaft MGG der RAG Eigentümer von Gebäude und Vereinsgelände. Mit der Stadt Herne wurde das Gar­tengelände zur Bebauung verplant und das Gebäude für den Abriss vorgesehen – doch es gelang den Vereinsmitgliedern, gegenzusteuern und den Abriss zu verhindern. Das Gebäude wurde unter Denkmalschutz gestellt, nach zähen Verhandlungen konnte auch das Gartengelände erhalten werden.

Doch damit nicht genug: Dank des ehemaligen RAG-Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Beermann und einer beispiellosen Spendenaktion der Kasino-Mitglieder konnte der Verein das Gebäude und das Gelände schließlich erwerben. Seitdem können Vorstand und Mitglieder frei über Gebäude und Grünanlagen verfügen – so wird dem Wanner Norden auch in Zukunft seine grüne Oase erhalten bleiben.

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